KRISTINA OBERLE
Zu einer meiner Hauptaufgaben im Projekt des Musée Mémorial Camp de Rivesaltes gehören Führungen für Gruppen über das Lagergelände von Rivesaltes. Seit das Wetter ab April besser geworden ist, sind das im Durchschnitt etwa zwei bis drei Führungen pro Woche. Da man von unseren Büroräumen in Perpignan mit dem Auto mindestens 20 min zum Lagergelände braucht, nimmt eine Führung zeitlich also fast einen halben Tag in Anspruch.
Das Publikum bei den Führungen könnte dabei unterschiedlicher nicht sein: Meistens handelt es sich um Schulklassen von den Collèges (Klasse 5-9) und Lycées (Klasse 10-12) aus dem Département. In den letzten Wochen hatten wir jedoch auch viele Grundschüler, was anfangs eine ziemliche Umstellung war, da man bei ihnen nicht dasselbe Vorwissen voraussetzen kann. Jedoch mache ich gerade die Führungen mit den Grundschülern am liebsten. Das liegt zum Großteil daran, dass die Grundschüler alle von ihren Lehrern gut auf den Besuch vorbereitet wurden (was bei den Collégiens nicht immer der Fall war!) und sie so sehr aufmerksam sind und total viele Fragen zum Thema (und weit darüber hinaus!) stellen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Grundschüler alle sehr interessiert waren und sich so eine gute Atmosphäre bei den Führungen entwickelt hat, obwohl es natürlich nicht leicht ist, mit noch so jungen Kindern über so schwierige Themen wie die Judendeportationen aus dem Lager Rivesaltes nach Auschwitz zu sprechen.
Aber auch die Führungen mit Privatpersonen machen großen Spaß, da es sich dabei meist um sehr kleine Gruppen handelt und man wirklich die Möglichkeit hat, miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Leute sind dann auch immer ganz erstaunt, was ich denn als Deutsche hier mache und fragen oft, ob ich mit "Erasmus" da bin.
Fast alle Führungen, die ich gemacht habe, waren auf Französisch. Es waren jedoch auch ein paar wenige auf Englisch und Deutsch darunter, aber das ist die Ausnahme.
Die Führungen machen mir wirklich großen Spaß. Ich kann dabei meine Begeisterung für das Projekt weitergeben und habe den direkten Kontakt mit Menschen aller Altersklassen und gesellschaftlichen Hintergründe. Ich empfinde diesen Austausch als sehr bereichernd, vor allem auch deshalb, weil man im Voraus nie weiß, was und wer einen bei der Führung erwartet. Bei den Führungen ist man natürlich auch für ein paar Stunden der Witterung ausgesetzt (im Sommer die fast unerträgliche Hitze und immer die "Tramontane", der starker Wind), was einen jedoch nur erahnen lässt, wie die Lebensbedingungen der Internierten an solch einem Ort gewesen sein müssen. Trotzdem genieße ich es sehr, für ein paar Stunden aus den Büroräumen herauszukommen und an der frischen Luft durchatmen zu können.
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Kristina Oberle, volontaire au camp de Rivesaltes en 2008-2009 lors d'une visite du camp |




